30. August 2010 von Susa
Mehr als ein halbes Jahr habe ich mich auf mein „Projekt Norseman plus Challenge Kopenhagen“ mehr oder weniger gezielt vorbereitet und konnte es mit Titelverteidigung und Streckenrekord beim Norseman, sowie dem 9. Gesamtrang beim Challenge CPH , erfolgreich abschließen.
Die berufliche Belastung war diesen Winter sehr, sehr hoch, der Einstieg ins Training daher ungewohnt spät. Im Zeitraum September bis Februar konnte ich die Schwimmeinheiten noch an 2 Händen abzählen. Letztendlich hatte ich einige sehr gezielte, spezielle Einheiten in den Bergen, meine aerobe Basis dagegen war dieses Jahr leider ungewohnt dünn, was ich gerade am Ende des ersten Rennes zu spüren bekommen habe.
Aber von vorne:
Am ersten Augustwochenende ging es zusammen mit meinem Geschäftskollegen Matthias, Physio Jörg und der guten Fee und bester Freundin Luise ab in Richtung Eidfjord. Meine Eltern und mein Freund Hans folgten 4 Tage, mein Rennsupport Michi Knöferl 6 Tage später.“You travel like a Queen“ kommentierten die Norweger mein perfektes Team, dem mein größter Dank gilt.

bildquelle: luise köster (fba)
Nach einer Woche absoluter Ruhe und Urlaub wurde es Zeit zum erneuten Start beim Norseman Extreme, der wieder mit dem Sprung von der Fähre im Eidfjord eingeleitet wurde.

bildquelle: luise köster (fba)
Wie erwartet stieg ich mit einem 10 minütigem Rückstand auf die starke Schwimmerin Gonny Rosendaal aus dem kalten Fjord und begann meine Aufholjagd auf dem 40 Kilometer langen Anstieg nach Dyranut. Vor mir auch Jens Richter , Chefredakteur vom Triathlon Magazin, knapp hinter mir Martin Rüsseler – beide gehören zu meinen „Schäfchen“ meiner Coaching Tätigkeit.

bildquelle: luise köster (fba)
Bei Kilometer 90 der Radstrecke konnte ich Gonny einholen, kurz bevor die nächsten 4 steilen Anstiege der gesamt 3500HM Anstieg begannen. Vielleicht hab ich mich in dem Moment ein wenig zu sicher in der Führung gefühlt und etwas Spannung verloren, denn beim .3 Anstieg kam Rosendaal plötzlich von hinten angefahren und überholte mich wieder. Ich versuchte ruhig zu bleiben, hab mich aber trotzdem hinreißen lassen, etwas mehr Druck zu geben, um die Führung in der folgenden Hochebene wieder an mich zu nehmen. Den letzten und steilsten Anstieg fuhr ich knapp vor ihr - im Rückblick, wahrscheinlich ein wenig zu intensiv, was ich später beim Laufen deutlich zu spüren bekommen sollte. Im Flachstück mit starkem Gegenwind und in der abschließenden Abfahrt konnte ich ein 3.5minütiges Polster für die Laufstrecke rausfahren – zum Glück, wie sich auf den ersten 25km rausstellen sollte. Dort konnte ich nämlich erst mal nichts am Vorsprung verändern. Ich konnte zwar vorneweg laufen, aber keinerlei Zeit gutmachen. Zu schwer und vor allem durch nasse Füße auf der Radstrecke, steif waren meine Beine und keinerlei Laufrhythmus hat sich eingestellt. Obwohl die Müdigkeit immer größer wurde, konnte ich den Beginn des 17km Anstieges mit gesamt 1550 Höhenmetern, kaum erwarten. Schon im letzten Jahr hatte sich gezeigt, dass ich für das Bergauflaufen scheinbar etwas Talent mitbringe und im letzten Anteil über Geröll selbst den ersten 3 Männern davongelaufen war.

bildquelle: luise köster (fba)
In diesem Jahr musste ich dem hohen Tempo auf dem Rad zwar etwas Tribut zollen, dennoch konnte ich jetzt endlich meinen Vorsprung auf am Ende 16 Minuten vor der 2.platzierten Rosendaal weiter ausbauen! Erst im letzten Anteil der Marathonstrecke, als wir schon in den steilen Geröllpfad eingebogen waren, konnte ich mich einigermaßen sicher fühlen, meinen Titel wieder verteidigen zu können. Und dennoch gab es kein Ausruhen auf diesen Lorbeeren: jetzt war es der Streckenrekord, der mich und mein Team weiterangetrieben hat, das Tempo so hoch wie möglich zu halten. Die letzte Stunde wurde zum gnadenlosen Kampf gegen die Uhr, den ich am Ende mit 2 Minuten unter dem alten Rekord für mich entscheiden konnte. Völlig verausgabt, aber ebenso glücklich kam ich gemeinsam mit Jens, auf den wir im Trail aufgelaufen waren, am Gipfel des Gaustatoppen an. Einen Platz vor mir Martin, der mich auf Hälfte der Laufstrecke überholen konnte.
Die Titelverteidigung und der Streckenrekord beim härtesten Langdistanztriathlon bedeuten für mich den wichtigsten Erfolg meiner Karriere. Ohne mein Team wäre das aber ganz sicher nicht möglich gewesen. Auch wenn sie danach einige Tage Urlaub redlich verdient gehabt hätten, gab es nur ein kurzes , 2-tägiges Durchschnaufen in unserer Skihütte im Gausta Skigebiet. Dann ging es bereits weiter in Richtung Dänemark, genauergesagt Kopenhagen, wo das nächste Rennen auf mich wartete. Genau 8 Tage später fiel der Startschuss zur Premiere der neuen Challenge Langdistanz, nachdem heftige Regengüsse und Überschwemmungen in der Nacht zuvor, das Rennen zur echten Challenge für die Veranstalter werden haben lassen.
Im Schwimmen konnte ich zwar die Müdigkeit durch die Vorbelastung etwas spüren, konnte aber mit 1:05 eine Schwimmzeit, die noch im Rahmen blieb abliefern.

bildquelle: christoph raithel
Ich bin ja gewöhnt, dass ich mich nach der Auftaktdisziplin erst mal nach vorne arbeiten muss. Das ist mir an diesen Tag dann aber schon sehr, sehr schwer gefallen, - dennoch: über 2/3 der Radstrecke lief es erfreulicherweise deutlich besser als erwartet! Leider hat sich ab KM 140 mein rechtes Knie bemerkbar gemacht.. besser gesagt, der Band und Muskelapparat an der Knieinnenseite. Ab jetzt war nur noch lockeres Rollen mit wenig Druck angesagt, konnte aber nach 5:28h dafür recht fit vom Rad steigen, die Leistung in diesem 2. Rennen war für mich ja relativ zweitranig (relativ ;-) ) das Finishen aber höchste Priorität. Die ersten 5km konnte ich sogar noch schmerzfrei bewältigen, ab dann aber hat sich mein Lauf leider nur darum gedreht, die Schmerzen im Knie durch schonendes Auftreten, Stretching und kurzen Gehpausen zu reduzieren. Lediglich die letzten 4km ließ der Schmerz nach, an einer Marathonzeit von 3:53 konnte das aber leider auch nichts mehr ändern ;-)Â

bildquelle: luise köster (fba)

bildquelle: luise köster (fba)
Auch wenn Kopenhagen wie zu erwarten keine neue Bestzeit gebracht hat ;-) bin ich als Gesamt 9.mit dem Finish in den TopTen der Frauen 8 Tage nach dem Sieg beim Norseman richtig happy und überrascht, wie gut ich mich muskulär noch gefühlt habe. Mental waren die beiden Rennen sicherlich das härteste was ich je gemacht habe, emotional aber auch mein schönstes Wettkampferlebnis.
Noch einmal gilt mein Dank:
** meinem Team und meiner Familie, welche mich 2 Wochen lang begleitet und supportet haben. Eine unglaubliche Leistung und unbeschreiblicher Freundschaftsbeweis.
** meinen Sponsoren, vorneweg an Magic, der dafür gesorgt hat, dass ich nicht nur mit meiner Leistung, sonder auch mit meinem Material glänzen konnte (und (für Insider) dass ich immer TOP motiviert war  ;-) )
** An Physio Jörgs heilende Hände, Fritz Buchstallers perfekte Radposition, um sowohl im Berg als auch im Flachen richtig drücken zu können, Volkard Stelzer von Orthopädie Pohlig für die maßgefertigten Schuhversorgungen in Lauf- und Radschuh, sowie:
Sailfish, Planet X, Saucony, Oakley, Penco, CADION, ACS (Rotorkettenblätter), SUUNTO, CEP, Sport Park
** und natürlich auch den Veranstaltern des Norsemans, dem Team Challenge Copenhagen und last but sicher nicht least: Alice, Kathrin und Felix Walchshöfer.. den Heads of Challenge Family, die nicht nur eine unglaubliche Rennserie geschaffen haben, sondern auch beste Freunde sind.
Es war einen tolle Zeit.. allen einen riesen Danke dafür!

bildquelle: luise köster (fba)
Eure Susa