Ironman Florida
8. November 2011 von Heidi JesbergerIch bin unheimlich froh, das ich noch die Chance bekommen habe hier in Florida zu starten.
Nachdem der Challenge in Kapstadt/Südafrika nur 2 Wochen vor dem eigentlichen Renntermin abgesagt wurde.
Meine Vorbereitung war bis dahin sehr gut und ich fühlte mich körperlich wie auch mental noch frisch genug einen weiteren Ironman in Angriff zu nehmen.
In Südafrika wäre die Rad- und Laufstrecke sehr bergig gewesen, darum war auch das Training darauf ausgerichtet.
Florida hingegen war Topf eben. Bis auf eine Brücke und 2 bis 3 kleineren Wellen gab es eigentlich keinen Grund aus der Aeroposition zu gehen.
Da das Training so gut verlaufen war, machte ich mir darüber keine allzu großen Gedanken, sondern versuchte immer das Positive zu sehen. Meine Chance, doch noch ein Rennen zu bestreiten, mein letztes unter meinem Mädchennamen JESBERGER!

Jedes Rennen braucht ein Motto. Mein Motto für dieses Rennen war: „If your legs are tiered, run/bike with your heart“.
Mein Herz ist glücklich, darum habe ich gewusst, dass dies mir viel Kraft und Energie geben kann.
So ein Ironman ist immer ein sehr langer Tag.
226 Kilometer, die es zu bewältigen gilt, doch ich war voller Vorfreude, denn ich liebe diesen Sport, dieses Leben und diese Herausforderung!
Im Vorfeld war ich voller Träume und großer Ziele, das muss ja auch so sein, sonst könnte ich niemals so viel Energie und Herzblut in mein Training und die ganze Vorbereitung stecken.
All die vielen Kilometer im Wasser, auf dem Rad und beim Laufen, all das könnte sich nun auszahlen.
Ich hatte die beste Unterstützung, die man sich nur vorstellen kann: Tolle Sponsoren, die schon seit vielen Jahren an mich glauben und zu mir stehen, geniale Trainingspartner, die bei Wind und Wetter und auch im Pool bei heftigem Schwimmbetrieb mit mir unterwegs waren mit der Mission „Ironman“, meine Freunde und Familie, die mich in letzter Zeit wirklich nicht oft zu Gesicht bekommen haben, da mein Training so stark im Vordergrund stand und last but not least mein Verlobter Jürgen, auf den ich mich immer zu 100 Prozent verlassen kann, der mich unterstützt und entlastet und begleitet so gut es geht! All dies war einfach eine perfekte Ausgangssituation. Ich fühlte mich bereit und konnte es kaum noch erwarten an der Startlinie zu stehen.
Und dann war es so weit:
Wir Profis waren 10 Minuten vor den 2800 Alterklassenathleten dran.
3,8 km im relativ ruhigen Meer, dennoch mit einer starken Strömung und was besonders unangenehm war, mit vielen Quallen.
Doch dies war im Training schlimmer als im Wettkampf selbst.
Ich hatte ein super Schwimmen und konnte bereits nach 56:43 min als 2. Frau das Wasser verlassen.
Eine perfekte Ausgangssituation! Sollte dies vielleicht wirklich mein Tag werden?
Die Wechselzone war riesig und wir mussten ewig laufen, bis wir schließlich die Räder erreichten. Wegen meiner letzten Verletzung am Fuß, dem Fersensporn, fühle ich mich beim Barfuss laufen auf Asphalt immer noch sehr unsicher, da die Angst einfach noch im Hinterkopf schwebt. Daher verlor ich beim Wechsel einen Platz und konnte schließlich motiviert und euphorisch die 180 km lange Radstrecke als 3. Frau in Angriff nehmen.

Die ersten 2 Stunden war ich extrem Einsam. Niemand weit und breit!
Doch ich machte mich auf meinem Rad so klein wie möglich und gab Gas.
So lange mich niemand überholt, solange kann es ja nicht so schlecht sein, dachte ich mir!
Fritz Buchstaller hat kurz vor unserem Abflug nochmals einen Blick auf meine Sitzposition geworfen. Er ist der Spezialist schlechthin, was die Triathlonradposition angeht. Eigentlich hat alles gepasst, das gab mir auch nochmals Sicherheit! Danke Fritz!
Immer wieder kam ein Motorrad mit Kameramann zu mir gefahren und filmte mich!
Ein gutes Gefühl! Die Ironman Crew schien ebenfalls mit mir zu rechnen ?
Trotzdem vergas ich das Essen nicht ![]()
Da die Außentemperatur morgens nur 7°C betragen hatte, habe ich mir ein Radtrikot und Armlinge übergezogen, was mit Sicherheit kein Fehler war!
Bei Kilometer 85 überholte mich Jessica Jacobs, die Vorjahressiegerin dieses Rennens.
Ich konnte sie lange in Blickkontakt halten, was bei dieser Streckenführung auch kein Problem war
Es ging ja sowieso nur kerzengerade aus!
Nach etwas 3 Stunden begannen meine Oberschenkel zu brennen wie Feuer.
Ich hatte es einfach nicht trainiert so lange in der Aeroposition zu fahren.

Immer wieder wechselte ich in den Wiegetritt, doch die Beine wollten einfach nicht lockerer werden…
Ich biss mich durch, wurde ca. bei km 140 noch von Mckenzie Madison überholt und konnte schließlich als 5. Frau nach 5:10 h vom Rad steigen. Immerhin meine 2. schnellste Radzeit die ich je im Ironman gefahren bin! Noch war einiges Möglich, so ein Marathon ist kein Kindergeburtstag!
Die ersten Meter waren die Hölle. Ich konnte kaum aufrecht stehen und meine Oberschenkel schienen zu explodieren, doch ich weiß ja aus der Erfahrung meiner bisher 18 (!!!) Ironman Rennen, dass es meist gar nicht so lange dauert, bis man wieder einen guten Rhythmus findet.
So war es dann auch.
Ich lief die ersten 10 km mit einem Tempo an, das für den Marathon eine Endzeit von 3:15 bedeutet hätte. Und es fühlte sich ok an. Es geht doch! Ach wie ich diesen Sport liebe!
Das wärs, also dranbleiben und beißen.
Der Marathon war dann aber geprägt von einem ständigen Auf und Ab.
Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt!
Erst wurde ich von Kim Löffler überholt und musste meine MTB Begleitung mit der Aufschrift „5th Pro Woman“ an sie abgeben und wenig später rief mir Jürgen zu, dass einige Athletinnen vorne Probleme haben und gehen müssten.

Leider hatte auch ich einige Probleme. Noch nie musste ich mich in einem Rennen übergeben, doch diesmal musste ich immer wieder spucken…
Alles war so nah. Nach dem Halbmarathon war ich nur 5:30 min hinter Rang 3, alles war noch möglich! Und doch irgendwie so weit weg.
Der Lauf war ein unglaublicher Kraftakt, ich musste alles geben und kam immer wieder an Punkte, wo nichts mehr zu gehen schien…
Den anderen ging es wohl genauso. Auch sie erholten sich wieder und so konnte ich leider keine Athletin mehr einholen, sondern überquerte mit einer Marathonzeit von 3:24 h als 7. Frau beim Ironman in Florida die Ziellinie.
Meine Splitzeiten mit 56 Schwimmen, 5:10 Rad und 3:24 Marathon waren ok.
Es war ein gutes und ausgeglichenes Rennen, doch leider keines bei dem ich über mich hinausgewachsen wäre.
Nach wie vor bin ich glücklich, dass ich diese Chance hatte.
Es fehlt nicht viel zum Podium.
Die Athletinnen, die vor mir waren haben alle schon Rennen gewonnen und sind keine No Names.
Nächstes Jahr mit neuem Namen geht’s weiter.
Es wäre doch gelacht, wenn nicht mal alles an einem Tag zusammen kommen würde!
Anything is possible!
Danke nochmals für euer mitfiebern, anfeuern und Daumen drücken, fürs Informieren und an mich denken und all die Nachrichten, die ich von euch vor und nach dem Rennen bekommen habe. Das ist es, was das alles auch so speziell für mich macht!
Liebe Grüße
Heidi
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