Inferno Triathlon 2008 AUFI GEHTS!!! von Andy Wolpert
3. September 2008 von WolpiJetzt liegt ein weiteres Saisonhighlight hinter mir und ich kann sagen, dies war eines meiner besten und schönsten Rennen die ich je bestritten habe. Am 23.08.08 stand der Infernotriathlon wieder mal auf dem Programm. Mit seinen 5500 Höhenmetern zählt dieses Rennen sicherlich zu den schwersten der Welt. Ich habe zumindest noch kein heftigeres Rennen absolviert. In diesem Jahr fuhr ich bereits zu meiner dritten Teilnahme in die Schweiz. Letztes Jahr war ich ziemlich nervös, dieses Jahr ging es eigentlich. Ich wusste, dass ich in guter Form bin. Soweit es eben ging hatte ich mich von Roth erholt und zwei kleinere Rennen absolviert, auf dem Mountainbike hatte ich auch meine Hausaufgaben gemacht und das Bergabfahren trainiert. Eigentlich konnte ja nichts schief gehen. Das Einzige ist eben immer diese Sache mit dem Wetter. Da ich eben ein Hitzeathlet bin und mich in Roth schon genug mit dem Regen und der Kälte gequält hatte hoffte ich auf bessere Bedingungen, aber meistens kommt es eben anders als man denkt…
Bereits am Freitag Nachmittag, den ich mit dem Verteilen meiner Fahrräder und Wechselutensilien verbrachte, zogen schon einige Wolken über der Jungfrauregion auf. Das Wetter schien umzuschlagen. Naja, dann eben wieder ein Rennen in feuchter Umgebung…
Trotz der nahenden Tieffront versuchte ich positiv zu denken. In Mürren trafen Elli und ich noch auf einen meiner Vereinskameraden, Wynfrith Egetemeyr, der auch schon dem Rennen entgegenfieberte. Für ihn war es die erste Teilnahme am Inferno, ich denke aber sicher nicht seine letzte
Nach der Wettkampfbesprechung und ein paar Tellern Nudeln, die es im Wettkampfzentrum in Mürren gab und die wie jedes Jahr hervorragend waren, fuhren wir wieder mit der Seilbahn nach Stechelberg und von dort mit dem Auto zu unserer Unterkunft am Thunersee. Es goss wie aus Kübeln und ich machte mir so langsam schon Sorgen ob es so clever ist bei so einem Wetter ein Rennen in den Bergen zu absolvieren. Es ging dann wieder zeitig ins Bett und ich fand in dieser Nacht trotz meiner jetzt leicht aufkommenden Nervosität einige Stunden Schlaf. Um 4:30h klingelte der Wecker, Frühstück und ab nach Thun. Dort befindet sich der Schwimmstart der 3,1km langen Strecke vom Freibad nach Oberhofen. Erst schwamm ich mich im schönen warmen 50m Becken des Freibades ein. Dies war sehr angenehm, bevor es dann um kurz vor 6:30h in den kalten Thunersee ging. 17°C sind eben nicht gerade subtropische Wassertemperaturen, aber was soll’s: was uns nicht umbringt usw. …
Hinter der Startlinie, die in diesem Rennen auch nicht wie sonst wo von irgendwelchen übereifrigen Teilnehmern nach vorne geschoben wird, traf ich auf Mark Pschebizin und Axel Reisser, beide alte Infernobekannte von mir. Axel war 2007 Vierter und Mark hat das Rennen ja schon 7mal gewonnen. Dieses Jahr schien er aber etwas nervös zu sein, da auch Olaf Sabatschus und Roger Fischlin (Gigathlonsieger Single 2007) am Start waren. Ich sagte noch zu ihm er soll sich mal keine Sorgen machen und schon ging es los. Ich hatte null Orientierung, was mich ziemlich störte, aber dieses Jahr konnte ich das Schwimmziel irgendwie erst ab der Hälfte der Schwimmstrecke fokussieren, bis dahin verfolgte ich eben einfach meine Vordermänner. Es passte aber, die schienen mehr als ich zu sehen und so beendete ich das Schwimmen kurz hinter Mark, der aber mal wieder deutlich zügiger wechselte. Bums und weg war er und ich stand immer noch etwas durchgefröstelt und mit meinem Trikot kämpfend in der Wechselzone. Es sollte ziemlich lange dauern, bis ich Mark mal wieder sehen würde…
Jetzt begann das Radeln. Mit dem Rennvelo (schweizerisch für neudeutsch Roadbike und eben altmodisch Rennrad) kletterten wir erst mal nach Beatenberg. Vom Thunersee auf 562m ging es binnen weniger Kilometer schon rauf nach Beatenberg, welches auf 1153m liegt. Hier wurde es bereits richtig warm! Schon auf dem Anstieg konnte ich zu Patrick Jaberg einem der Lokalmatadoren aufschließen und wir fuhren ziemlich lange nebeneinander her. Auf der Abfahrt überließ ich ihm die Führung, da er die Strecke sicher besser kennt als ich und im Tal wechselten wir sehr oft die Position. Der Schiri, der uns über Xkm begleitete lobte uns für unsere saubere Fahrweise und es machte richtig Spaß! Wir zogen einen ganz schönen Schweif von Staffelradfahrern hinter uns her. Kurz vor der Großen Scheideck verschärfte ich dann das Tempo und ab da war ich für den ganzen Anstieg alleine unterwegs bis zur Passhöhe mit 1930m. Nur ein paar Staffelradler konnten immer wieder mal überholt werden. Es lief prächtig und ich konnte meine bereits 5. Position sehr gut halten. Ich wollte aber mehr und fühlte auch, dass noch richtig was geht!      Â
Bei der rasenden Abfahrt von der Großen Scheideck, die wirklich der Hammer ist und einem technisch einiges abverlangt (enge Kehren und einige Kuhfladen!) änderte sich nichts mehr an den Positionen. Nach den 97km und 2145 Steigungsmetern wechselte ich zügig aufs MTB und nach wenigen km am Aufstieg zur Kleinen Scheideck überholte ich Roger. Der sah mal richtig schlecht aus und hatte sich wohl schon völlig verheizt. So, jetzt war ich Nummer 4. Cool bleiben, es geht ja noch paar Stündchen dachte ich mir und fuhr schön meinen Tritt weiter, bis ich eben nur noch mit 4km/h unterwegs war. Diese Kleine Scheideck wird gegen Ende so steil, dass man echt gleich laufen kann, was ich dann eben auch tat. Oben angekommen kam meine Königsdisziplin: Die MTB Abfahrt! Da hatte ich schon den ganzen Tag die Hosen voll wenn ich nur daran dachte! Aber ich hatte ja etwas geübt und von den Downhillern des Team Freesmile.de einige Tipps bekommen (Danke Markus, für die Bremsen reicht echt 1 Finger J) und somit durfte eigentlich nichts schief gehen. Was soll ich sagen, es lief dann auch hervorragend und für meine Verhältnisse kam ich den Buckel ganz gut runter. Ich hätte gerne Olaf Sabatschus gesehen, dem ging es dieses Jahr laut seinen Aussagen so wie mir in meinem ersten Jahr. Die laut Veranstalter technisch unproblematische Strecke hat es für uns Flachländer schon ganz schön in sich, was die Bremsen dann eben zum glühen bringt
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In Lauterbrunnen angekommen geht es dann bis zur letzten Wechselzone nur flach dahin. Es gab etwas Zeit sich auf den abschließenden Lauf vorzubereiten, ein Häppchen zu vespern und sich noch mal zu sammeln. 30km MTB und weitere 1180m Steigung waren nun absolviert. Nachdem ich dann in den Laufschuhen war teile mir Elli mit, dass ich 10min zur Spitze und 3min auf Axel hatte. Somit hatte ich die Motivation und eine verdammt gute Chance mir wieder einen Treppchenplatz zu erkämpfen und jetzt fehlten ja nur noch 25km und 2175HM bis zur Ziellinie auf 2970m über dem Meer. Bereits bei km 6 war Axel in Schlagweite und ich lies mir etwas Zeit an ihm vorbei zu gehen, forcierte das Tempo dann aber wieder etwas und er konnte mir nicht folgen. Innerlich freute ich mich etwas, bereits jetzt 3. zu sein, aber ich wusste auch noch, dass noch viel passieren kann. Ich war schnell unterwegs, vielleicht auch etwas zu schnell, aber ich fühlte mich gut und so lies ich es bis Mürren auf 1640m einfach laufen. Jetzt waren bereits 17km absolviert, aber der Infernoinsider weiß natürlich, dass das Zuckerstückchen erst noch kommt! Die letzten 8km aufs Schilthorn verlangen einem noch mal einiges ab! Über 1300HM auf diesem Steilstück sprechen Bände. Kurz nach Mürren begann es dann zu schütten. Bis dahin meinte es der Wettergott gut mit uns, die Temperaturen waren über das gesamte Rennen erträglich gewesen, bis auf die Passhöhen (5°C) und die anschließenden Abfahrten. Jetzt regnete es aber und es wurde sehr schnell kalt. Ich streifte mir meine Regenjacke über und versuchte mein Tempo hoch zu halten, aber der Boden wurde sehr rutschig und bei jedem Schritt ging viel Energie verloren. Aber es ging weiter! Auf dem Weg Richtung Birg wird es noch mal kurz etwas flacher und ich sah Marc mit ca. 5min Vorsprung vor mir laufen. Zu viel um aufzuholen… nach hinten hatte ich aber auch richtig viel Luft und somit beschloss ich die Strecke etwas gemütlicher hinter mich zu bringen. Die letzten Kilometer sind echt atem(be)raubend, hart aber schön! Leider war dieses Jahr keine Sicht auf die umliegenden Berge und der Regen ging in Schneefall über. Nach 9h 16min hatte ich es geschafft. Ich war 11 Minuten schneller als im letzten Jahr und hatte wieder einen Treppchenplatz gesichert! Einfach geil! Im Ziel hatte ich dann noch ein Vorhaben, von dem ich hier nicht schreibe, welches aber doch in den Rennberichten der meisten Triathlonwebseiten veröffentlicht wurde. Vielen Dank auch an meine Freundin und einen Freund, die mich über den Tag toll unterstützt hatten.
Eigentlich wollte ich 2009 dieses irre schöne Rennen nicht schon wieder bestreiten, aber schauen wir mal…
Marc belegte einen tollen 2. Platz, wenn man bedenkt was für ein Programm er diesen Sommer auch schon durchgezogen hatte. Olaf Sabatschus war jedoch unschlagbar und wer mit einer 44/21 Übersetzung über die Große Scheidegg donnert hat auch den Sieg verdient. Mit der Übersetzung fahre ich vielleicht bergab J!
Wynfrith hatte leider etwas Pech, ihm brach bei der Abfahrt mit dem MTB die Sattelstütze und er musste das Rennen auf über 15km im Stehen bestreiten, dafür meinen Respekt! Hier nicht aufzugeben spricht für einen gesunden Sportsgeist! Leider konnte er durch diese kräftezehrende Tortur das Rennen nicht mehr auf dem Schilthorn beenden, da das Ziel aufgrund der schlechten Wetterbedingungen tiefer gelegt wurde. Im nächsten Jahr aber bestimmt!
Bis demnächst,
Andy
Kategorie: Allgemein, Wettkampf | 1 Kommentar »

