22. March 2010 von Heidi Jesberger


Ich bin so glücklich! Ein Traum wurde für mich nun endlich wahr!
So sehr habe ich mir diesen Podiumsplatz gewünscht und nun habe ich es geschafft!
Oftmals ist das Leben wie eine Art Perlenkette:
Ein Ereignis wird an das andere gereiht und die Kette wird immer länger und schöner.
Dann gibt es aber auch Situationen im Leben, die so gar nicht in Reih und Glied passen…
Nachdem ich in meiner Triathlonkarriere schon mehrmals in Schlagweite der Spitze war, kamen leider immer wieder verschiedene Verletzungen. Meine Kette riss also und die Perlen kullerten wild durcheinander. Alleine hätte ich dieses Chaos nicht mehr auf die Reihe gebracht.
Ganz wichtig waren dabei mein Freund, meine Familie, Freunde und Sponsoren, die mir Mut zugesprochen und mich immer weiter unterstützt haben.
„Wie oft darf eine solche Kette eigentlich reißen?“ habe ich mich gefragt. Doch nun rückblickend war es einfach ein Teil des Ganzen. Eine Kette ist umso wertvoller, wenn sie nicht ganz perfekt ist, sondern aus größeren und kleineren Perlen besteht, die nicht ganz gleichmäßig aneinandergereiht sind. Doch alleine geht es nicht und darum bin ich sehr Dankbar so tolle Menschen um mich herum zu haben! Danke!
Doch nun zum Rennen:
Normalerweise tapert man für große wichtige Rennen, d.h. das Training wird die letzten 2 Wochen etwas reduziert, damit man sich am Wettkampftag kraftvoll fühlt und die bestmögliche Leistung bringen kann. Diesmal war alles anders.
Ich habe mir im letzten Trainingslager 3 Wochen vor dem Ironman auf Lanzarote einen Virus eingefangen, der leider sehr hartnäckig war. Anfangs dachte ich noch, dass ich in 3 Wochen locker wieder fit sein würde, doch es war ein ständiges Auf und Ab und der Husten war extrem hartnäckig.
Ich war total platt und nicht in der Lage anständig zu trainieren. So wenig wie vor diesem Rennen habe ich noch nie trainiert, doch es ging einfach nicht.
Am Donnerstag, 3 Tage vor dem Rennen, entschied ich mich, den Ironman Arzt aufzusuchen, denn so war an einen Start nicht zu denken. Mit Antibiotika, ACC Akut, Aspirin, Inhalation mit chinesischen Ölen, heißem Cola mit Ingwer,… versuchten wir alles und siehe da, am Tag vor dem Rennen fühlte ich mich das erste Mal besser. Also konnte ich einen Start wagen.
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Am Wettkampftag selbst war es schon morgens deutlich wärmer als die ganze Woche zuvor, die ungewöhnlich kalt und verregnet war. Mit nur 14 °C lagen die Temperaturen dieser Woche fast 20 Grad unter dem normalen Schnitt im März.
Die Sonne kam am Sonntag das erste Mal in dieser Woche so richtig raus und sofort war die Stimmung auch gleich eine ganz andere als die vergangenen Tage.
Um 7 Uhr war der Start der Profis. Eine Minute später starteten jeweils alle 5 Sekunden 5 Altersklassen Athleten. Die 3,8 km lange Schwimmstrecke war in einem Fluss und bestand aus einer Art Ypsilon, das wir 4x mit jeweiligem Landgang schwimmen mussten.
Letztes Jahr war wohl die Strömung so stark gewesen, dass einige Athleten total abgetrieben wurden. Aus diesem Grund wollte der Veranstalter die Schwimmstrecke etwas kompakter halten. Mir gefiel sie echt gut, war das ganze doch sehr kurzweilig. Gott sei dank durften wir Profis doch mit Neoprenanzug schwimmen. Die Wassertemperatur lag um die 22°C und so war es lange nicht klar, ob wir den Schwimmanzug tragen dürfen. Aufgrund der Farbe des Wassers war es mir mit meinem Helix aber viel lieber
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Ich erwischte eine schnelle Gruppe und fand einen guten Rhythmus im Wasser.
Schon nach der ersten Runde überrundeten wir die ersten Age-Group-Athleten, dies hat uns schon etwas ausgebremst, doch es war ja für alle gleich.
Gemeinsam mit Nicole Leder, auf Rang 5 liegend verlies ich das Wasser, schnappte meinen Beutel und rannte ins Wechselzelt, wo man sich umziehen musste. Dort hatte ich meinen Rudy Helm und meine Rudy Brille, sowie meine Verpflegung drin. Nachdem ich den Neo in die Tüte gesteckt hatte, lief ich zum Rad und damit zum Ausgang der Wechselzone.
Dort fiel mir plötzlich voller Schrecken auf, dass ich mein Startnummernband gar nicht dran hatte! Also rannte ich wie von einer Tarantel gestochen den ganzen Weg zurück ins Wechselzelt und suchte erneut meinen Beutel, doch die Nummer war nicht drin! Schock! Was sollte ich nun tun? Und die Zeit lief! Belinda Granger, eine australische Athletin, die unser Rennen zuschaute rief mir zu, dass ich einfach weitermachen solle.
Also rannte ich zurück zu meinem Rad und begann mit deutlich erhöhtem Adrenalinwert meine Aufholjagd.
Auf dem Rad hatte ich wirklich einen guten Druck! Ich konnte mich sehr gut konzentrieren und pushen und machte Boden gut. Der Wind war viel stärker als vorhergesagt und etliche Athleten hatten Probleme überhaupt in der Aero-Position zu fahren. Da ich aber viel auf Lanzarote trainiere bin ich den Wind gewohnt und kam überraschend gut damit zurecht!
So langweilig mir der Großteil der Strecke beim Abfahren der Strecke im Vorfeld vorkam, so gut fand ich es im Rennen. Auf einer Zweispurigen Autobahn, die komplett für uns gesperrt wurde, ging es fast nur gerade aus. Das absolute Highlight war die ca. 10 km lange selektive Wendepunktrunde. Dort fuhren wir durch 2 kleine Dörfer in denen auch der Großteil der Zuschauer des Rennens war. Wenigstens in der ersten der 2 Runden. Natürlich haben diese chinesischen Fans kein Wort Englisch gesprochen, doch wenn einem jemand etwas Nettes zuruft, dann versteht man das auch so 
Auf der Radstrecke wurde es immer wärmer. Alle 15 km gab es eine Verpflegungsstation. Doch diese Stationen konnte man beim besten Willen nicht mit Europäischen Rennen vergleichen. Es waren eindeutig zu wenige Helfer da und die Helfer die da waren, waren unerfahren, so dass es zu einer echten Herausforderung wurde überhaupt etwas zu Trinken zu bekommen.
Mein Ziel war es eigentlich jeweils 2 Wasserflaschen zu greifen, doch man reichte uns nur sehr schmale 0,5 l Wasserflaschen, die nicht in die normalen Flaschenhalter passten, sondern herausrutschten. Also versuchte ich irgendwie 2 Flaschen zu greifen, doch das nächste Problem war, dass die Flaschen nicht aufgeschraubt waren!?! Im Rennen habe ich nur gehofft, dass ich im Ziel noch all meine Zähne drin habe, denn die waren die einzige Möglichkeit diese Flaschen auf zu bringen. Umso länger das Radfahren ging, desto mehr habe ich an den Verpflegungsstellen abgebremst, um auch wirklich etwas Wasser zu bekommen.
Nach ca. 140 km hatte ich meinen tiefsten Punkt auf dem Rad. Die Hitze, der Wind und auch die Einsamkeit machten mir ganz schön zu schaffen. Wenn es so heiß ist, dann hat man auch gar nicht das Verlangen etwas zu Essen, doch das war genau der Punkt. Ich verpflegte mich mit einem Powerbar und wenig später spürte ich wieder neue Energie.
Bei km 165 konnte ich auf die Japanerin Maki auffahren, die vorher angekündigt hatte, diesen Ironman gewinnen zu wollen. Nachdem ich sie überholt hatte, blieb sie mir dicht auf den Fersen und so stiegen wir gemeinsam vom Rad.
In meinem 2. Wechselbeutel hatte ich sowohl Kompressionssocken als auch normale Socken. Zuerst versuchte ich die Kompressionssocken anzuziehen, doch es war verrückt. Meine Beine waren durch die Hitze dermaßen angeschwollen, dass ich beim besten Willen nicht hereinkam. Egal. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, Maki war nämlich schon über alle Berge, entschied ich mich für die sowieso schönere Lösung und lief mit meinen nagelneuen superschicken pinken Newton Laufschuhen los.
Der erste km war brutal. Die Hitze stand geradezu und ich fühlte mich total verspannt. Ich hatte das Gefühl kaum aufrecht stehen zu können, obwohl ich doch so regelmäßig den rücken trainiert hatte.
Eines war sicher: das würde noch eine richtige Hitzeschlacht geben.
Alle 2 km war eine Verpflegungsstation. Hier wurden jedoch keine Becher gereicht, sondern man musste sich selbst alles von Tischen nehmen. Also legte ich konsequent von Anfang an bei jeder Station eine kleine Gehpause ein, um überhaupt genügend Flüssigkeit aufnehmen zu können.
Meine Arm-Coolers von DeSoto, die ich schon auf dem Rad angezogen hatte halfen mir auch sehr.
Sie kühlten wirklich gut und hielten das Wasser etwas länger am Körper.
Schon nach 2 km konnte ich auf die Japanerin auflaufen. Sie ist eine ehemalige Weltcup Kurzdistanz Starterin und kann laufen, doch irgendwie lief es bei mir nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch immer besser bei mir.
Nun war ich schon 3. Frau! 4 km später lief ich auf die mehrmalige Ironmansiegerin Heather Gollnick aus den USA auf. Sie wirkte schwerfällig auf mich und ich konnte sie zügig überholen.
Wow, ich konnte es kaum glauben! Ich lag nun auf dem 2. Rang in einem Ironman! Auf den ersten 8 km konnte ich auf die Führende Amy Marsh, die für das erfolgreiche Team TBB startet und im September den Ironman in Wisconsin gewonnen hat, 4 min gutmachen und war nun nur noch 3 min hinter der Führenden! Oh Gott, was für ein Tag! Einerseits war ich total happy und euphorisch aber andererseits war es auch so heiß! Sehr heiß! Ich musste vorsichtig sein, denn noch war es ein langer Weg bis ins Ziel! An der Strecke sah ich Lothar Leder, Chris McCormack, Markus Fachbach, später auch Heather Gollnick, die alle das Rennen abgebrochen haben. Die Bedingungen waren auch echt schwierig!
Das Verlangen nach Kühlung und einer Gehpause wurde immer größer, doch ich wusste, dass das bei allen Athleten so ist. Nun entschied nur noch der Kopf. Und ich wollte diesen Podestplatz. Unbedingt! Bei km 28 überholte mich Nicole Leder, die ja als starke Läuferin bekannt ist. Ich versuchte natürlich noch dagegen zu halten, doch mehr war nicht mehr drin bei mir.
Ich gab wirklich mein Bestes und konnte schließlich nach 42,2 km Laufen als 3. Frau jubelnd die Ziellinie überqueren. Ja!!! Endlich hatte ich es geschafft! 3. Platz beim Ironman China!

Ich bin sooooo glücklich!
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Mit meiner Leistung bin ich wirklich sehr zufrieden: 2. schnellste Radzeit und 2. schnellste Laufzeit aller Frauen, sowie 14. schnellste Laufzeit aller Teilnehmer (incl. Männer!), daran sieht man wirklich wie hart die Bedingungen waren!
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Im Ziel meinte jemand, dass ich die Hawaiiquali hätte. Ich? Wie konnte das Möglich sein? Bei uns Profifrauen war doch nur ein einziger Slot für Hawaii ausgeschrieben.
Seit Anfang dieses Jahres gibt es eine Regel, die besagt, dass nur die Profis, die weniger als 5% hinter der Siegerzeit sind, einen Slot für Hawaii bekommen. Im Männerrennen waren 3 Slots ausgeschrieben. Da aber der 3. Mann bereits mehr als 5% hinter dem Sieger zurücklag, ging der verbleibende Slot an uns Profi Frauen. Und da Amy Marsh sich bereits mit ihrem Sieg in Wisconsin den Slot für Hawaii geholt hat, habe ich ihn bekommen! Hammer!
Was für ein Tag!
Das Kämpfen hat sich echt gelohnt!
Dieses Jahr gibt es nur 45 Profi Frauen Plätze auf Hawaii. Ein wirklich exklusives Feld. Und ich bin mit dabei!



Aloha, eure Heidi