21. June 2010 von Gregor Komescher
Die schwerste Race Entscheidung
Heute morgen ging Gregor erneut an den Start und wie durch ein Wunder radelte er trotz schwerer Schmerzen weiter. Doch nach 2h auf dem Rad musste der Arzt Bernhard gemeinsam mit dem Team Chef Uwe die schwerste Entscheidung treffen und diese hieß leider “Safety First”
Der Übermüdungszustand war auf einmal so groß, dass Gregor auf stark befahrener Strasse einfach wegen Sekundenschlaf nicht mehr sicher war.
Die Übermittlung an das Race Office dauerte noch lange an, ehe wir ihn final aus dem Rennen nehmen mussten, denn er wollte wieder zurück aufs Rad und zumindest bis Mississipi River weiter fahren, und sich dann erholen. Aber die ärztl. Verantwortung war es, dies zu stoppen, dafür hatten wir Bernhard extra mitgenommen, und auch Uwe als Teamchef war sehr besorgt, da er auch die Verantwortung bzgl. Safety für Gregor hatte.
Gregor hat die Entscheidung akzeptiert, ist aber natürlich traurig, denn wenn man so kurz vor dem Ziel aufgeben muss, obwohl man weiß, körperlich und kraftmäßig wäre alles kein Thema gewesen, ist es sehr bitter. Aber wir alle vom Team ziehen den Hut, denn nur wir wissen, was hinter der Kulisse Tag täglich passiert ist, und was in jedem von uns und vor allem Gregor vorging.
Es war sein Lebenstraum, den er super gemeistert hat, weit über seine Grenzen ging und besonders mentale Stärke und körperliche Hochleistung gebracht hat.
Besonderen Dank gilt der gesamten Crew für die super Leistung, den Zusammenhalt und die Gemeinschaft, die uns so weit gebracht hat.
Natürlich könnte Gregor das Rennen ein weiteres Mal körperlich meistern, aber leider ist das Projekt ein extremer finanzieller Aufwand und ganz ehrlich, derzeit denkt er nicht daran, nochmals erneut zu starten. Es war ein einmaliges, einzigartiges Erlebniss, was ihm niemand mehr nehmen kann, und die 3.000km die er zurückgelegt auch nicht. Und vor allem hat er es in seiner Age Group auf Platz 2 der Solo Fahrer geschafft.
Wir sind stolz auf Dich Gregor und nur die, die dabei waren, wissen wie sehr es dich und uns bewegt hat, aber sicherlich dein Leben vor allen sportlichen Höhepunkten Vorrang hat, und nach Annapolis fahren wir nun auch so, GEMEINSAM im TEAM!
Danke an alle hier vor Ort und DANKE an meine Fans zu Hause! Gerne wäre ich weiter gefahren und hätte euch noch 4 weitere interessante Race Tagebuch Tage bereitgestellt, aber so muss ich heute und hier vom Racebericht Tschüß sagen, aber ich habe euch noch viel zu erzählen, und dann versteht ihr vieles sicherlich besser!
Aber eins sag ich euch, ich habe meinen Traum gelebt, auch wenn ich ihn nicht fertig gelebt hab, aber dafür lebe ich noch!
Jetzt schreibe ich euch mal selbst….
So jetzt ist für mich das Rennen leider vorbei und ich möchte noch mal selber kurz was dazu schreiben, denn wie ihr ja alle bestimmt schon gemerkt hat, hat meine Lebensgefährtin Claudia die ganzen Blogs geschrieben und das finde ich ganz toll! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer es für mich im Moment ist, mit der Situation klar zu werden, ja da war das Rennen – zumindest die 3.000km -gar nichts dagegen. Ständig frage ich mich, warum bist du nicht weiter gefahren? Denn körperlich fehlte mir nichts aber auch rein gar nichts. OK, bis auf das kleine Wehwehchen am Popo, aber das hatte meine Crew ja schnell im Griff mit einem schönen weichen gut aussehenden Damensattel. Ja es war wirklich nur der Sekundenschlaf, der mir zu schaffen machte, und da frag ich mich, war es richtig, dass Bernhard mein Teamarzt, die richtige Entscheidung getroffen hatte, mich aus dem Rennen zu nehmen? Denn ich hatte schon zweimal den Punkt erreicht, und jedes Mal war es mir gelungen mit Biestbooster und Redbull wieder wach zu werden. Doch jetzt sage ich mir, es war die richtige Entscheidung, denn kein Sport ist es wert, sein Leben dafür auf’s Spiel zu setzen. Die Schlenker mit meinem Rad wurden einfach zu groß dafür, auf einer so groß befahrenen Straße weiter zu fahren und das Risiko wollte Bernhard einfach nicht eingehen und dafür Danke ich ihm, denn kurz zuvor wurde ein spanisches Team von einem Fahrzeug erfasst. Auch wenn ich im Moment immer wieder traurige Phasen habe, ja auch oft weinen, habe ich eine große, unvergessliche Erfahrung gemacht, die ich hoffentlich noch vielen Sportlern, aber auch nicht Sportlern als Mitarbeiter und Guide bei Hannes Hawaii Tours weiter geben kann. Eines kann ich zumindest zu mir selber sagen, fit genug war ich, trainiert hatte ich genug, und mental war ich auch gut vorbereitet. Ja es war nur der Sekundenschlaf und den mit irgendwelchen Präparaten zu unterdrücken ist nun mal nicht mein Ding und auch nicht von meinem Arzt Bernhard und das ist gut so. Jetzt möchte ich mich noch mal bei meinem Team bedanken:
Uwe, der Crew Chief: du hast einen tollen Job gemacht und die Strecke bis aufs kleinste Detail ausgearbeitet, danke!
Werner, Reiner und Jörg, die Fahrer: ihr wart einfach die besten Fahrer die ich kriegen konnte. Jörg hat zusätzlich immer noch mein Rad bei jeder Time Station fit gemacht. Danke!
Simon, der Phsysio: unser Bubele, du hast einen super Job als Physio gemacht, man sieht es ja, mir fehlte nichts und sag deiner Chefin, sie hat dich gut vorbereitet. Danke!
Bernhard, der Arzt: du bist selber Extremsportler und ein super Arzt. Ja, du hast alles richtig gemacht und sogar vielleicht dafür gesorgt, dass ich noch weiterhin Sport machen kann und du bist für mich in diesem Rennen zu einer wichtigen Vertrauensperson geworden. Danke!
Tanja, Wohnmobilchefin: ja was soll ich zu dir sagen, du bist immer gut drauf, hast immer dafür gesorgt, dass es gutes und leckeres Essen gab, ja ich glaub ich bin der einzige Fahrer, der nicht abgenommen hat und immer, saubere, frische Sachen anhatte. Danke! Michael, der Reporter: du sagst zu mir, ich weiß nicht wie man so lange auf dem Rad sitzen kann und immer noch so fit aussieht. Ich kann dazu nur sagen, wie kann einer Tagelang und Nächtelang auf einem Beifahrersitz sitzen ohne Pausen und ohne Schlaf und ständig Filmen und Fotos machen. Für mich bist du der beste Journalist und ich bin schon ganz gespannt auf das Film- und Fotomaterial. Danke! So und jetzt zu meinem Schatz Claudia, zweiter Crew Chef: du hast die meiste Arbeit gemacht. Du hast die komplette Logistik gemacht von Anfang bis Ende, so dass ich mich nur um mein Training kümmern musste. Ja ohne dich wäre ich erst gar nicht zu dem Rennen gekommen und du hast mir im Rennen eine wahnsinnige mentale Stärke gegeben. Danke mein Schatz! Und morgen werde ich nochmals was über meine Sponsoren schreiben. Und wir sind ja auf dem Weg nach Annapolis, zum Zieleinlauf und werden auch davon noch berichten. Also bleibt noch ein wenig auf meiner Homepage und verfolgt alles bis zum Ende.
Euer Gregor


