26. July 2010 von Wolfgang Stueckle
Hallo zusammen,
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mich mit einem Rennbericht bei euch gemeldet habe. Das lang vor allem an meinem ziemlich verkorkstem Saisonauftakt, der von Radstuerzen und durch Vulkanausbrueche gestrichenen Fluegen und meinem damit einhergehendem Festsitzen in London gepraegt war. Umso mehr freut es mich, dass ich am vergangenen Sonntag beim deutschen Langdistanzklassiker in der Triathlonhochburg Roth am Start war. Und das mit wieder Erwartem grossen Erfolg. In den Wochen vor den Rennen hatte ich mich nicht so besonders gefuehlt, die Zeiten im Training hatten zwar gestimmt, aber ein gutes Gefuehl wollte sich einfach nicht einstellen. Und ich war ziemlich k.o. und muede. Selbst ein komplettes Sofawochenende hatte dem nicht beikommen koennen und so war ich etwas ob meiner Form besorgt. Nichts desto trotz war ich mit grosser Freude am Start. Mein dritter in Roth, so gut wie daheim und Roth ist eben Roth, die Stimmung auf und an der Strecke einzigartig.
Und irgendwie war dann schon der Samstag gekommen, es ging ans Abholen der Startunterlagen, noch ein paar letzte Einkaeufe auf der Messe, Fachsimplen mit Freunden und dann zur Radabgabe. Dort wurde ich dann gleich noch einmal an meinen schweren Sturz im Maerz erinnert, als mich ein Richter bei der Eincheck-Kontrolle darauf hinwies, dass mein Aero-Helm zerbrochen sei. War mir bis dato gar nicht aufgefallen. Zum Glueck hatte sich ein Challenge-Merchandising-Stand strategisch klug am Radcheckin plaziert, wo ich dann noch kurzer Hand einen neuen Aero-Helm im Challenge Design erstehen konnte. Allerdings gab’s statt Messerabatt einen Notlagenzuschlag auf den Preis, aber wo die Alternativen fehlen, ist eben nicht viel zu machen. Wie auch immer, so war ich zumindest gut behelmt unterwegs.
Sonntagmorgen. Bereits um 03:30 Uhr klingelte der Wecker, aber ich hatte sowieso, wie so oft vor Rennen, nicht viel Schlaf abbekommen. Energieriegelfruehstueck und die 30 Minuten bis zur Wechselzone gefahren. Rad abgedeckt, noch einmal alles geprueft, die Radschuhe, Getraenke und Riegel angebracht. Aufs Klo gegangen. Die Maschinen der Profis bewundert. Noch ein wenig mit Freunden gesprochen, die ebenfalls am Start waren. Aufs Klo gegangen. Aufgewaermt, das Rennen im Kopf durchgegangen. Neo angezogen und in die Startzone gewechselt. Den Start der Profis miterlebt.
Und dann ging es auch schon ins Wasser und zur Startlinie. Ich war in der ersten Startgruppe nach den Profis, in der Startgruppe der Sub 9 Starter, also derer, die unter 9 Stunden ins Ziel kommen moechten. Ich hatte mich wegen der nicht idealen Vorbereitung schon von diesem Ziel verabschiedet und mich auf eher 09:30 eingestellt. Aber die Startgruppe wollte ich dann doch nicht wechseln; ich war zwar nicht mehr nervoes, aber wenn man mal unterwegs ist, ist es doch besser. Und dann war er sowieso schon da, der Startschuss. Auf zu, wieder einmal, 3,8km Schwimmen – 180km Radfahren – und 42km Laufen. Roth 2010 here we go!
Das Schwimmen ging ich verhalten an, um dann nach dem ersten Wendepunkt etwas Gas zu geben. In Roth schwimmen wir im Main-Donau-Kanal, praktisch einmal hin und wieder zurueck, mit etwas Extrastrecke am Ende. Dieses Stueck bist zum zweiten Wendepunkt kam mir dann ewig vor, aber gut, 1:01h schliesslich an Land. Schade, nicht die Stunde geschafft, aber gut gefuehlt. Ich hatte in den letzten Monaten viel an meiner Technik gearbeitet, jetzt muss ich noch das Vertrauen in mich finden, konsequent schneller vom Start weg zu Schwimmen. Wechsel zum Rad ging flott, musste ja nur die Kompressionssocken anziehen. Bin auch erst einmal mit Brille losgefahren, aber die habe ich dann nach 200m gleich ins Trikot gesteckt. Es war doch noch sehr bewoelkt und dunkel. Die erste der zwei Runden lief locker durch, ich liess es verhalten angehen. Nach Greding den Berg hoch ging es etwas zaeh, vor allem, weil dort ziemlicher Gegenwind war und nach dem Berg zieht sich die Steigung noch ewig. Dennoch konnte ich bestaendig andere Teilnehmer ueberholen auch wenn ich ganz bewusst den ein oder anderen ziehen liess. Am Rande, ich habe sie alle vor Ende wieder ueberholt. Mit einer progressiven Renngestaltung komme ich weit besser zurecht. Und mir war es zu kalt! So war ich ganz froh, dass es auf der zweiten Runde etwas waermer wurde und ich beschloss mit etwas mehr Druck zu fahren. Gut, ich war wirklich wie ein Angsthase unterwegs, wollte mich auf keinen Fall noch mal hinlegen. Die einzig nennenswerte Abfahrt bin ich so gemuetlich runtergefahren, dass ein Freund, den ich kurz vorher am Berg ueberholt hatte mir zurief, als er abwaerts wieder an mir vorbeizog „Abfahren gehoert auch dazu!“ Auch ihn hab ich aber an der naechsten Steigung wieder hinter mir gelassen und bis zum Ziel nicht mehr gesehen. Als ich beim Erreichen der zweiten Wechselzone auf die Uhr sah, war ich zunaechst fassungslos. 12 Uhr war da zu lesen, eine 4:45h auf dem Rad, die fuer mich unerwartet kam. Nie haette ich gedacht mit dem wenigen Training und bei meiner bewusst kontrollierten Fahrweise ohne auf Zwischenzeiten zu achten, so schnell zu sein. Vielleicht lag es einfach nur mit an meinen hot wheels, besten Dank an Jan an dieser Stelle! Und an Ingo, das Rad lief wie ne Eins!

Der Wechsel zum Lauf ging auch sehr gut, kurz aufs Klo und los. Natuerlich hatte mich auch die Radzeit befluegelt. Bei KM 3 musste ich kurz gehen, Nieren haben wehgetan aber nach zwei Bechern Cola an der naechsten Station ging es schon wieder super. Und es lief dann immer besser. Habe gut in meinen Rhythmus gefunden und beschlossen etwas zu riskieren und eben zu schauen wie lange es gut geht, das schneller Laufen. Ging bis ca. km34, da wurde es dann zaeh und muehsam. 3:16h standen am Ende fuer den Marathon zu Buche.
Schade eigentlich, denn bei 09:08h blieb die Uhr im Ziel stehen. Mit etwas mehr Biss waeren die 9 wohl gefallen, aber gut, fuer meine Erwartungen am Anfang des Tages war es ein geniales Rennen. Neue persoenliche Bestzeit und sauber durchgekommen. Platz 37. Gesamt von ueber 3000 Startern und 22. in meiner AK zeigen wie stark das Feld mal wieder war. Dennoch bin ich wie gesagt ueberaus zufrieden. Darauf kann ich in Wisconsin im September hoffentlich aufbauen, wo ich mir bei meinem zweiten Ironman-Rennen in diesem Jahr die Quali fuer Hawaii 2011 holen moechte.
Es ist schwierig zu beschreiben, welche Gedanken einem im Laufe eines solchen Tages durch den Kopf gehen. Und Tage nach dem Rennen, bleibt meist nur die Erinnerung an die euphorischen Momente, die Zielankuft, mit 60km/h ueber flache Teilstuecke der Radstrecke jagen, den Sprung von einer Gruppe im Wasser in die davor schwimmende. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Rennen, vor allem weil ich meine Erwartungen bei weitem geschlagen habe, aufgrund meiner neuen persoenlichen Bestzeit und weil es ein gut gestaltetes Rennen meinerseits war. Und Roth war ein unheimlicher Motivationsschub fuer mich, in einem Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen konnte ich ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Das macht Lust und Mut zu mehr.
Beste Gruesse und geniesst den Sommer
Wolfgang