9. August 2010 von Benny
Die Vorzeichen standen eigentlich sehr gut für meinen letzten Ironman mit DTU- und WTC-Profi-Lizenz. Ich fühlte mich gut vorbereitet (von meiner Schwimmform mal abgesehen) und meine Vorfreude war riesig auf den Wettkampf, vor allem, weil mir die Unterstützung von meiner Freundin Lilli, meinen Schwestern Julia und Birgit, sowie einigen Freunden gewiss war.
Untergebracht waren wir alle bei der Familie von Armin Roitmeier, einem Freund von Julia und Matthias. Es war einfach unglaublich, dass wir mit sechs Personen einfach so aufgenommen wurden und dazu noch fürstlich bewirtet und betreut wurden. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle noch mal gaaanz herzlich bei den Roitmeiers bedanken. Daran hat es auf jeden Fall nicht gelegen.
Am Freitag vor dem Wettkampf waren wir angereist und waren gerade so rechtzeitig zur Wettkampfbesprechung der Profis und den Dopingkontrollen gekommen. Dieser offizielle Teil zog sich recht lang hin, aber wir konnten uns mit dem Verzehr von kleinen Häppchen und Getränken die Zeit vertreiben. Nachdem wir erfahren hatten, wie alles abläuft, und ich meinen negativen Dopingbefund erhalten hatte, machten Lilli und ich noch einen Bummel über die Messe und schauten bei der Gelegenheit bei unserem Sponsor BlueSeventy vorbei, um uns noch das ein oder andere fehlende Equipment zu besorgen. Vielen Dank dafür noch mal an BlueSeventy!
Unser Wetsuit Helix von BlueSeventy kam direkt danach auch noch mal zum Einsatz, als ich einen letzten Schwimmtest im Guggenberger Weiher absolvierte. Die Wassertemperatur betrug relativ angenehme 22,8 °C. Ich hatte zwei bis drei Wochen zuvor nicht geglaubt, dass der See so stark abkühlen würde. Was mir außerdem viel Hoffnung für ein relativ gutes Schwimmergebnis machte, waren die sehr gut sichtbaren Bojen, die in sehr kurzen Abständen entlang der gesamten Strecke aneinander gereiht waren.
Die Pasta-Party des Ironman-Veranstalters boykottierten wir, da dieser unverschämte 24 Euro für Begleitpersonen forderte und die Pasta-Party bei Familie Roitmeier mit Sicherheit dreimal so gut war.
In der vorletzten Nacht, die bekanntlich die wichtigste vor einem Langdistanz-Triathlon ist, schlief ich wie ein Baby und auch der Rest des Tages verlief sehr entspannt. Eine kurze Fahrt mit meinem CEEPO und ein spritziger Lauf waren die letzten Einheiten vor dem Tag X.

Nach dem Einchecken des Rades holten wir noch Markus Kütscher vom Bahnhof ab und tranken noch gemütlich einen Kaffee in der schönen Altstadt von Regensburg.

Von links: Markus, Lilli, meine jüngste Schwester Julia, ich, Roland, Matthias, meine Schwester Birgit.
Abends gab es dann eine weitere „Pasta-Party“ um die Kohlenhydratspeicher endgültig und vollständig zu füllen.
Wie die Nacht zuvor schlief ich auch diesmal wie ein Stein, allerdings nicht so lang, denn um 4:00 Uhr klingelte der Wecker. Was tut ein „iron“-man sich da an!
Aber so richtig wach war ich wohl noch nicht, sonst wäre ich auf dem Weg in die Küche nicht die Treppe runter gefallen und auf einen Wasserkasten aufgeschlagen. Es hätte mit Sicherheit auch geholfen, wenn ich das Licht angemacht hätte. Aber auch das konnte mich an diesem Morgen nicht aufhalten, und ich war ja nicht schwer verletzt.

Lilli, Markus und ich bei der Henkersmahlzeit, morgens um 4:15 Uhr.
Für den Weg zum Start hatten wir eigentlich ausreichend Zeit eingeplant, aber die nicht ganz glückliche Parkplatzwahl des Veranstalters machte uns fasst einen Strich durch diese Rechnung. Der Parkplatz war nämlich ein abgemähtes Feld auf dem sich vom Vortag schon tiefe Spurrillen gebildet hatten, und der dazu nur eine einseitig befahrbare Zufahrt bot. Das alles führte zu einer ca. 2 km langen Schlange und einem absoluten Chaos. Zum Glück hatten Lilli und Markus ihre Räder dabei, mit denen Markus und ich dann vor in die Wechselzone fahren konnten. Auf dem Weg dorthin überholten wir noch einen Athleten, der die 2 km im Laufschritt zurücklegen musste. Es war Faris, der spätere Sieger!
Lilli parkte dann das Auto und war erst 20 Minuten vor dem Start an der Wechselzone!
Während sich die Athleten auf den Wettkampf vorbereiteten, machte Franky Lieber noch ein paar Fotos von der überaus schönen Szenerie! Seht selbst:


Und dann wurde es ernst. Der Start sollte für die AK-Athleten ein Landstart und für uns Profis ein kastrierter Landstart werden. Denn, wie auf folgendem Foto zu sehen, standen wir vor der Meute bis zur Hüfte im Wasser und hatten keinen „Anlauf“ wie die AK-Athleten. Im Vordergrund die Nummer 19, das bin ich. Ich dachte mir – wenigstens einen Schritt zum abspringen.

Quelle: www.tri-mag.de
Und wie befürchtet dauerte es nach dem Startschuss keine drei Sekunden bis unzählige Mitstreiter über mich drüber schwammen. Ich habe es aber irgendwie überlebt und bin, obwohl ich nur selten passende Füße zum Mitschwimmen gefunden habe, für meine Verhältnisse und Erwartungen gut aus dem Wasser gekommen. Dies erfuhr ich aber erst nach dem Wettkampf, – beim Blick auf die Ergebnisse, da ich mir die gute Stimmung währenddessen nicht verderben wollte, weil es sich wieder ewig lang angefühlt hat.
Auf meinen ersten Radkilometern sammelte ich erwartungsgemäß eine Großzahl der 124 Athleten ein, die beim Schwimmen schneller gewesen waren als ich. Es machte so richtig Spaß mit meiner Viper von CEEPO.

Quelle: Michael Rauschendorfer www.triaphoto.com
Nachdem ich das erste Mal über die „Berge“ rüber war, konnte ich von weitem schon eine recht große Gruppe ausmachen, bei denen es den Anschein machte, als wären wir bei einem Mannschaftszeitfahren. Ich wollte mich auf jeden Fall da raushalten und schaffte es auch, erst kurz nach der ersten von zwei großen Radrunden bei Kilometer 90 auf sie aufzuschließen. Am Berg fiel ich auf Grund der kräftezehrenden Aufholjagd etwas zurück, was ich auf der Abfahrt aber mehr als wettmachte. Auf der zweiten Runde hing genau diese Gruppe wie ein langer Rattenschwanz hinter mir und konnte mich nach ca. 140 Kilometern nur überholen, weil ich am Straßenrand meine zum bersten gefüllte Blase leeren musste und dafür fast zwei Minuten brauchte. Bis zum zweiten Wechsel hatte ich sie alle wieder eingeholt. Ich könnte heulen, dass ich mir nicht mehr in die Hose machen kann! ( Das hat doch vor 30 Jahren auch ohne Probleme geklappt! )

Ein Foto des neun jährigen Sebastian Melzl. Vielen Dank dafür!
Meine Spezialität, den zweiten Wechsel, habe ich dann ebenso wie den ersten Laufsplit in der Gesamtwertung knapp für mich entscheiden können, nur kann man sich davon rein gar nichts kaufen. Aber wie diese Splitzeiten belegen, lief es anfangs des Marathon noch richtig gut, und meine Freude Lilli und alle anderen auf der Runde zu sehen war riesig. Lilli und Markus versorgten mich an der ersten Verpflegungsstelle perfekt mit meinen Trinkgürteln und Wasser zum kühlen. Julia, Birgit, Matthias und Armin heizten mir am Wehr der Donau mächtig ein, wo ich optimaler Weise auf jeder Runde zweimal vorbeikam.
Meine „Betreuer“ und alle anderen Zuschauer an der Strecke hatten dann noch das Vergnügen den extravaganten Athleten Gi anzufeuern, was alle sicher mit Freude taten! 
  
Tolle Stimmung in der Regensburger Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe)
Aber dann bekam ich diese starken Bauchschmerzen, die nach ca. 30 bis 35 Kilometer des Marathon so stark wurden, dass ich nicht mehr laufen konnte. Die Erschütterungen schmerzten so, dass ich nur noch walken konnte. So bin ich die letzten sieben Kilometer gegangen. Oh Gott wie peinlich das war! Franky Lieber wollte mir für meinen nächsten Wettkampf schon Nordic-Walking-Stöcke und Socken besorgen. Ja, wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen! Ich würde auch gerne mehr darüber lachen, aber es war leider meine letzte Gelegenheit als Athlet mit Profistatus meine Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, und alles mit einem guten, zufriedenstellenden Ergebnis abzuschließen. Es hat leider nicht sollen sein.

Dieses Erlebnis – durch den Zielkanal in Regensburg zu laufen – und das Ziel alle meine neun Langdistanzen erfolgreich zu beenden trieben mich am Ende an und relativierten die Schmach der kurzzeitigen Walking-Einlage.
Abschließend möchte ich mich bei allen meinen Sponsoren für die hervorragende Unterstützung bedanken. Allen voran Herrn Vos, Vorstandsvorsitzender der Basalt AG, ohne den ich das „Projekt“ Profi-Triathlet niemals hätte in Angriff nehmen können und dem ich noch sehr lange dafür dankbar sein werde.
Des weiteren gilt mein Dank Erdinger Alkoholfrei die mich seit nunmehr drei Jahren finanziell und mit Material aus der eigenen Kollektion unterstützen.
Da jeder weiß wie exorbitant teuer diese Zeitfahrboliden und das zugehörige Material heutzutage sind, gilt mein weiterer Dank Martin Wiepjes, Inhaber der Firma Minibarista, sowie Hans-Werner Theisen, Inhaber der Firma Teikotec GmbH und exklusiver Europavertrieb für CEEPO-Bikes.
Da ich mir gar nicht vorstellen will, wie meine Schwimmperformance ohne ihre Unterstützung ausgesehen hätte, gilt ein weiterer besonderer Dank der Firma Becker Distribution GmbH, die mich mit dem Hightech-Swim-Gear von BlueSeventy versorgt hat.
Seit 2009 habe ich keinen Wettkampf mehr ohne die Kompressionsbekleidung der Firma SKINS absolviert, und ich möchte sie auch bei der Regeneration nicht mehr missen. Vielen Dank für das Top Material.
Mit der richtigen Verpflegung während des Trainings und des Wettkampfs, aber auch vielem anderen essentiellen Material hat mich Steffen Mayer und sein Team von magic-sportfood.de ausgestattet. Hierfür ebenso mein herzlicher Dank.
Damit ich bei meinen „Unternehmungen“, Wettkampf und Training, immer den richtigen Durchblick habe, stattet mich Andreas Schmidt, Inhaber der Firma Augenblick Brillen – Contactlinsen GmbH mit den entsprechenden (legalen) Hilfsmitteln aus. Dafür mein herzlicher Dank.
Einen großen Dank möchte ich meinem Trainer Marc Pschebizin aussprechen, der mich immer bestmöglich auf die Herausforderungen vorbereitet hat.
Für die optimale Sitzposition auf meinem Rad war Marcus Blenke verantwortlich und hat das jedes Mal meisterlich realisiert. Vielen Dank.
Nicht zuletzt möchte ich meiner Freundin Lilli und meiner Familie von ganzem Herzen für die Unterstützung und die aufgebrachten Entbehrungen danken.
Euer Benny