5. May 2011 von Heidi Jesberger
Bad Mergentheimer Stadtlauf.
Bereits zum 6. Mal fand in diesem Jahr der Bad Mergentheimer Stadtlauf statt.
Erstmal konnte ich auch mitmachen.
Die Jahre zuvor war ich immer an diesem Tag im Trainingslager, da eines unsere Triathlon Camps meist in der Osterzeit stattfand und 2 x war ich leider verletzt.
Nun hat es endlich geklappt, mein Trainingslager ging erst einen Tag nach dem Lauf los und ich konnte endlich einmal mit dabei sein, was mich sehr freute, da mein Hauptsponsor, das Stadtwerk Tauberfranken, auch Titelsponsor dieses Laufes war.
Die Stimmung auf dem Mergentheimer Marktplatz war super, genauso wie das Wetter.
Es war toll, so viele bekannte Gesichter zu sehen, das hat mich natürlich nochmals zusätzlich motiviert. Ich bekam vom Veranstalter Achim Kaufmann die Startnummer 1.
Oh, was für eine Ehre! Aber auch ein ganz schöner Druck. Jeder erwartete von mir den Sieg, was als Triathletin in Vorbereitung auf einen Ironman gar nicht so einfach ist, da mein Training ja nicht auf eine schnelle 10 km Zeit ausgereichtet ist sondern auf einen Marathon nach 180 km Rad fahren. Ich war selbst gespannt, wie es so laufen würde.
Vom Start weg fühlte ich mich gut! Die MTB Begleitung mit dem Schild „erste Frau“ hat mich natürlich zusätzlich motiviert und so konnte ich es auch richtig genießen einmal in der Heimat zu laufen.
Die Strecke führte durch die Altstadt, in den Kurpark und der Zieleinlauf war dann in der Fußgängerzone. Mit meiner Zeit von 37:42 min konnte ich schließlich sogar noch einen neuen Streckenrekord aufstellen und so mit einem guten Gefühl am nächsten Tag ins Trainingslager nach Mallorca fliegen.

Tristar und Trainingslager
Auch dieses Jahr veranstaltete mein Freund Jürgen wieder gemeinsam mit Arne Dyck von www.Triathlon-Szene.de
und Ute Mückel ein gemeinsames Triathlon Trainingscamp auf Mallorca.
Wie schon die letzten beiden Jahre auch, war ich als Guide und Trainerin mit dabei.
Die Stimmung war wieder grandios.
Als Arne beim Begrüßungsabend den Teilnehmern erklärte, sie könnten mit allen Sorgen und Wünschen jederzeit zu uns kommen und uns für die Dauer des Camps quasi als ihr Eigentum betrachten, da war das Eis spätestens geschmolzen…
Mallorca ist zum Radfahren einfach wunder wunder schön.
Wir waren in diesen 2 Wochen fast überall auf der Insel unterwegs.
Vor allem vom Küstenklassiker waren die Teilnehmer und auch ich sehr angetan.
Ein Teil der Männer fuhr gegen Ende dann sogar noch Sa Calobra mit mir, so dass wir auf unserer 160 km langen Tour 3300 Höhnmeter sammeln konnten! Ein toller Tag, den wir so schnell nicht wieder vergessen werden, auch wenn zwischendurch die Beinmuskulatur ganz schön gezuckt hat
Dieses Camp war auch für meine Vorbereitung zum Ironman in Lanzarote sehr wichtig.
Umso schöner war es für mich, dass ich immer super nette Trainingspartner hatte, in fast jeder Trainingseinheit.
Im Camp haben wir uns dazu entschieden, dass ich beim Tristar Mallorca teilnehmen werde, der dann sozusagen den krönenden Abschluss der ersten Trainingslagerwoche bildet.
Also trainierte ich bis Samstag schon 30 Stunden, lief am Mittwoch sogar noch einen 30 km Lauf mit Arne und Daniel, fuhr am Freitag noch bergige 5 Stunden Rad über den Orient und war danach äußerst gespannt, was die Beine am Sonntag beim Wettkampf sagen würden.
Der Tristar fand erstmal auf der Baleareninsel in Porto Colom statt.
Durch seine Distanz von 1km Schwimmen, 100 km Rad fahren und 10 km Laufen war das Rennen nicht so belastend, da vor allem der abschließende Lauf normalerweise so zerstörerisch auf die Muskulatur wirkt.
Gesagt, getan.
Gemeinsam mit Daniel, einem unserer Campteilnehmer, der auch das gesamte Trainingspensum absolviert hat und Elmar Heger von Blueseventy, fuhr ich Samstagnachmittag zum Check in der Räder.
Der Wettkampfort Porto Colom liegt traumhaft in einer Bucht an der Ostküste Mallorcas.
Ein wirklich schöner Ort für einen Wettkampf.
Ich freute mich sehr, dass ich diese Chance bekommen habe. Wie oft muss man weite Reisen auf sich nehmen, um zu tolle Wettkampflocations zu kommen. Hier waren wir ja quasi vor Ort.
Das Schwimmen fand im Hafenbecken zwischen teuren Jachten statt. Ich habe keine Ahnung, wie kalt das Wasser war, aber mehr wie 19 Grad hatte es bestimmt nicht. Trotz Neo fand ich es richtig frisch.
Aus diesem Grund wollte ich mich auch gut einschwimmen, um dann nicht beim los schwimmen Atemprobleme zu bekommen.
Also sprang ich, wie auch der amtierende Hawaiisieger Chris McCormack und viele weitere Profis vom ca. 3 m hohen Hafenbecken ins Meer.
Kurz vor dem Start rief uns der Veranstalter aber alle wieder aus dem Wasser heraus.
Nun hatten wir ein kleines Problem, denn Treppen oder ähnliches waren hier nicht!?!
Da gab es wirklich die wildesten Kunststücke, um wieder an Land zu kommen.
Einige versuchten sich über Seile am Hafenbecken nach oben zu ziehen, doch das kostete ganz schön viel Kraft und viele Scheiterten bei diesem Versuch.
Ich kletterte auf eine Jacht und sprang dann von der Jacht auf einen Steg. Geschafft! Nun konnte es ja losgehen.
Wenige Sekunden später durften wir wieder ins Wasser springen und zur Startlinie vorschwimmen. Wieso wir nochmals alle herausklettern mussten hat bis heute niemand verstanden, aber egal.
Nach ca. 13 min kamen die ersten Männer aus dem Wasser. Nur eine Minute später konnte ich gemeinsam mit der Engländerin Tamsin Lewis das Wasser verlassen.
Die 100 km lange Radstrecke hatte es ganz schön in sich: 1500 Höhenmeter galt es zu bewältigen.
Zweimal mussten wir den ca. 5km langen Anstieg nach San Salvador und zurück bewältigen.
Viele scharfe Serpentinen machten die Abfahrt technisch äußerst anspruchsvoll.
Ich ging keinerlei Risiko ein und fuhr vorsichtig hinab.
Dass es wirklich gefährlich war zeigte das Männerrennen, bei dem sogar Nomen Stadler in Führung liegend gestürzt ist.
Trotz des harten Trainings in dieser Woche fühlte ich mich gut und konnte als 4. Frau, nur 1 min hinter Rang 3 vom Rad steigen.
Ich lief so schnell los wie ich nur konnte und überholte die vor mir laufende Belgierin bei km 2. Die Laufstrecke war wellig und so versuchte ich beim Bergablaufen einen langen Schritt zu ziehen, um möglichst schnell etwas Zeit gutzumachen und die Belgierin auf Distanz zu halten.
Doch plötzlich bekam ich einen Krampf in die hintere Oberschenkelmuskulatur. Ich musste sofort stehenbleiben, um den Krampf herauszudehnen. Sofort kam mir der Gedanke, dass mich nun die Belgierin wieder überholen würde. Doch das wollte ich auf keinen Fall riskieren. Also lief ich ganz vorsichtig mit kleinen Schritten weiter. Gott sei dank beruhigten sich meine Beine wieder etwas.
Laut Veranstalter mussten wir eine Wendepunktstrecke von 2,5 km, also quasi 2 Runden a 5 km zurücklegen.
Ca. 600 m vor dem Ziel standen 2 Mädchen, die Gummibänder für die Arme verteilten, damit es klar ersichtlich ist, wer schon wie viele Runden gelaufen ist.
Ich bekam zwar ein Bändchen, doch niemand sagte mir, dass dies auch der Wendepunkt sei. Da war kein Pfeil, kein Schild, nichts.
Also lief ich weiter gerade aus, woher hätte ich es denn auch wissen sollen?
Ich dachte der Wendepunkt wäre kurz vor dem Ziel.
Markus, ein Campteilnehmer, der zum Anfeuern mitgekommen war, sprintete die ca. 100m die ich inzwischen weitergelaufen war zu mir und schrie mir zu, dass der Wendepunkt da vorne gewesen sei.
Sofort drehte ich um und lief die gefühlten 500m zurück zur Wettkampfstrecke.
Nun war leider die Belgierin wieder gleichauf mit mir.
Ich mobilisierte nochmals all meine Kräfte, konnte sie ein weiteres Mal distanzieren und lief schließlich glücklich und zufrieden ins Ziel ein.
Was für ein Rennen!
Nach all den vielen Rennen, die ich die letzten Jahre gemacht habe kommt immer noch eine neue Erfahrung dazu.

Eure Heidi